Montag, 9. Oktober 2017

Der Wau-Effekt


Ich habe das große Glück, meinen Hund mit ins Büro nehmen zu dürfen. So können wir mehr Zeit miteinander verbringen und ich muss Mira weder zu oft alleine lassen noch mich um eine meist kostspielige Hundebetreuung kümmern. Gerade jetzt, da sie schon etwas älter ist, ist das eine große Erleichterung und ich genieße es sehr. 

Natürlich kann ich mich im Büro nicht die ganze Zeit mit ihr beschäftigen, aber sie hat ihren gemütlichen Platz und in der Mittagspause können wir einen schönen Spaziergang machen. Und vor allem habe ich das Gefühl, dass sie es einfach genießt, mit dabei sein zu dürfen und es uns gut tut, zusammen zu sein. Mira ist ein sehr braver Hund und es hat mit der Erziehung bei ihr auch gut geklappt, obwohl sie ein Beagle ist. Alle, die Beagle kennen oder selbst einen haben, wissen, dass das keine Selbstverständlichkeit ist. Es sind zwar unfassbar liebe und gutmütige Hunde, aber eben auch sehr stur und schwer zu erziehen. 

Es freut mich, dass sie gerne mit kommt und dass sich meine Kollegen auch jedes Mal freuen, wenn sie sie sehen. Besonders an stressreichen Arbeitstagen, kommt schon mal der ein oder andere Kollege gerne in mein Büro, einfach um Mira zu streicheln. Das tut gut und beruhigt die Nerven, das ist sogar wissenschaftlich bewiesen. Studien belegen, dass Hunde und Menschen das Hormon Oxytocin bei regelmäßigen Streicheleinheiten ausschütten, was die Bindung erhöht und zu sozialen Kontakten animiert, den Blutdruck senkt, die Herzfrequenz verlangsamt und dabei hilft, das Stresshormon Cortisol abzubauen. Was bedeutet das für uns? Wir werden zufriedener und ruhiger. Das kann ich nur bestätigen und einige meiner Kollegen mit Sicherheit auch. Wenn das also so ist und zu weniger Stress oder zu einem besseren Stressabbau führt, könnte das wiederum positive Auswirkungen auf unsere psychische und körperliche Gesundheit haben. Zwar kann ich noch keine Aussagen über solche Langzeitauswirkungen treffen, aber zumindest fühle ich mich besser und zufriedener, wenn Mira bei mir ist. Und sie sich offensichtlich auch. 

Es ist leider jedoch nicht selbstverständlich, dass Arbeitgeber Hunde am Arbeitsplatz erlauben. Die Angst vor Unruhe und schlecht erzogenen Störenfrieden ist oftmals ein Grund für ein allgemeines Verbot. Aber auch nicht jeder Arbeitsplatz ist geeignet für Hunde. 

Doch denken bereits immer mehr Arbeitgeber um und werden offener. Es ist ein gewisser Wandel in den Unternehmen zu erkennen und das Wohl der Arbeitnehmer tritt mehr in den Fokus. Life-Work-Balance und Gesundheit am Arbeitsplatz werden in Zeiten von häufigerem Auftreten von Bournout und sonstigen stress- oder überlastungsbedingten Krankheiten ein immer wichtigeres Thema, so dass sich Arbeitgeber im Zusammenhang mit Gesundheitsschutz auch oftmals mit der Frage „Hund am Arbeitsplatz erlauben oder nicht“ auseinandersetzen. Immer mehr Studien belegen, dass sich Hunde im Büro positiv auf die Mitarbeiter und das Betriebsklima auswirken. Die Anwesenheit eines Hundes hilft nicht nur bei Stress, sondern fördert auch den Teamgeist sowie die Kommunikation und wirkt sich positiv auf die Motivation der Mitarbeiter aus. Außerdem hat sie auch positiven Einfluss auf das Image des Arbeitgebers oder das Unternehmen. Dies haben auch schon große Firmen wie Google und Xing erkannt. 

Mittlerweile gibt es auch einen "Bundesverband Bürohund e.V.", der laut seiner Homepage dem Anstieg von psychischen Erkrankungen und Burnout im Arbeitsleben mithilfe der Eingliederung von Hunden im Büro entgegenwirken will. Die Vorteile für Unternehmen und ihre Mitarbeiter fasst der Verband so zusammen:
  • Senkung des Herzinfarkt- und Schlaganfall-Risikos
  • weniger Burnout-Gefahr
  • Senkung der Risiken für sonstige psychische Erkrankungen
  • weniger Fehltage
  • Einsparung von Krankenkosten für den Arbeitgeber.
Aus den Vorteilen, die ein Hund am Arbeitsplatz scheinbar mit sich bringt, leiten Wissenschaftler sogar bereits handfesten betriebswirtschaftlichen Nutzen durch Produktivitätszuwächse und sinkende Fehlzeiten ab. 

Das klingt alles toll, doch darf man natürlich trotz allem Tiere nicht als Allheilmittel gegen Stress und Konkurrenzdruck sowie für eine Imagesteigerung betrachten. Außerdem müssen dabei noch andere Faktoren und insbesondere auch das Wohl des Hundes beachtet werden. 

Grundvoraussetzung ist erstmal das Einverständnis des Arbeitgebers und der Kollegen. Nicht jeder mag Hunde, manche haben auch Angst oder sind sogar allergisch gegen Tierhaare, was ein absolutes Tabu bedeuten würde. Auch ist nicht jeder Hund geeignet. Unerzogene oder sehr unruhige Hunde können am Arbeitsplatz eher Stress erzeugen als diesem entgegenzuwirken, sowohl für die Mitarbeiter als auch für den Hund selbst. Es gibt sehr sensible Hunde, die sich möglicherweise im Büro unwohl fühlen oder an einem Arbeitsplatz mit viel Menschenverkehr nicht zur Ruhe kommen, so dass sie den ganzen Tag unter Stress stehen würden, was dann wiederum für den Hund gesundheitsschädlich sein kann. Auch ist, wie schon erwähnt, nicht jeder Arbeitsplatz für Hunde geeignet. Neben dem Ausschluss von Gefahrenquellen sollte ein hundefreundlicher Arbeitsplatz auch einen festen Rückzugsort mit Schlafplatz und Platz für einen Wassernapf bieten sowie Beschäftigungsmöglichkeiten für den Hund, besonders, wenn dieser noch jung und verspielt ist. Sonst kann der Büroalltag für den Hund ganz schön öde werden. Und natürlich am allerwichtigsten: Man sollte sich zwischendurch immer mal wieder Zeit für den Hund nehmen können und es sollte vor allem auch die Möglichkeit für einen Spaziergang gegeben sein.
 
Wenn die Voraussetzungen für die Mitnahme des Hundes gegeben sind, ist es einfach wunderbar seinen vierbeinigen Freund mit in die Arbeit nehmen zu können und es bereichert den Arbeitsalltag ungemein.


Donnerstag, 20. Juli 2017